Digitaler Außendienst im technischen Fachhandel: Was die Digitalisierung dem Verkäufer abnimmt
Digitalisierung nimmt dem Außendienst im technischen Handel keine Besuche ab, sondern den alten Besuchsgrund: die Bestellung. Was bleibt, ist die Arbeit an der Anlage — Prüfung, Messung, Auslegung, Bestandsaufnahme —, und dafür braucht der Verkäufer unterwegs dieselbe Datensicht wie der Innendienst am Bildschirm: Rahmenvertragspreise, offene Vorgänge, fällige Prüftermine. Im B2BEST Barometer von ECC KÖLN und Creditreform nennen 84 Prozent der im vierten Quartal 2024 befragten Großhändler und Hersteller die Digitalisierung des Außendienstes als Priorität, und nur etwa ein Drittel hat die Umsetzung weit vorangetrieben; eine Erhebung speziell für den technischen Fachhandel gibt es nicht.
Was macht der Außendienst im technischen Handel, das kein Kanal ersetzt?
Er arbeitet an der Anlage des Kunden, nicht am Bestellformular. Das ist der Unterschied zwischen dem Außendienst eines technischen Fachhändlers und dem Außendienst eines Büroartikelhändlers, und er entscheidet darüber, was Digitalisierung hier überhaupt verändern kann.
Wie das aussieht, zeigt eine Erfolgsgeschichte, die der VTH Verband Technischer Handel auf seiner Website dokumentiert: Die Faber Industrietechnik GmbH aus Mannheim führt bei der FDT FlachdachTechnologie GmbH & Co. KG regelmäßige Schwingungsmessungen an den Lagern von Kalandern und Walzwerken durch — Kalander sind die Walzenanlagen, auf denen die Kunststoffbahnen des Herstellers entstehen. Die ausführlichen Diagnosen laufen nach dieser Darstellung mindestens zweimal im Jahr über jeweils rund drei Wochen. Der Händler interpretiert die Messdaten, prognostiziert das wahrscheinliche Ausfallfenster eines Lagers und legt die Reparatur in einen geplanten Stillstand. Dazu kommen Umbauten, Lagermontage und -demontage sowie die Lieferung der Komponenten.
Was das dem Kunden gebracht hat, berichten die Beteiligten selbst: Die Lebensdauer von Speziallagern stieg von etwa einem Jahr auf etwa zwei, die Einsparungen bezifferten sie auf mehrere zehntausend Euro, und ein früh erkannter Defekt in der Ölschmierung verhinderte nach dieser Darstellung einen Getriebeschaden, bei dem unter anderem 1.200 Liter Öl hätten getauscht werden müssen. Diese Zahlen stammen aus einer Verbandsdarstellung und sind Angaben der beteiligten Unternehmen — unabhängig geprüft sind sie nicht, und die Seite wurde nach Angabe des Verbands letztmals im Dezember 2021 geändert. Als Beleg für eine Größenordnung taugen sie deshalb nicht. Als Beschreibung dessen, was ein technischer Händler beim Kunden tatsächlich tut, sehr wohl.
Ein zweites Beispiel aus derselben Reihe zeigt, wo die Digitalisierung ansetzt. Die ProTec Industriebedarf GmbH aus Würselen konfektioniert, kennzeichnet, liefert und montiert Schlauchleitungen für die Zentis GmbH & Co. KG in Aachen und übernimmt deren präventive Wartung und Prüfung. Seit 2018 arbeitet sie dabei mit einem digitalen Schlauchmanagement: Jede Leitung wird per QR- oder Barcode erfasst und einer Maschine zugeordnet, der Status ist über eine App auf Smartphone oder Tablet abrufbar, und das Werkzeug zeigt an, wann eine Prüfung fällig wird. Prüfprotokolle und Zeugnisse hängen am Datensatz.
Lesen Sie die beiden Fälle nebeneinander, dann sehen Sie das Muster. Das digitale Werkzeug hat den Besuch nicht ersetzt. Es hat ihn planbar gemacht — aus einer Rundfahrt wurde ein terminierter Einsatz mit bekanntem Anlass.
Der VTH hat diese Entwicklung früh beschrieben. In einer Pressemitteilung zur Jahrestagung seiner Fachgruppe Antriebstechnik, die im Oktober 2017 stattfand, listet der Verband auf, worum Händler ihr Angebot erweitern: Konsignationslager, in denen die Ware bis zur Entnahme dem Händler gehört, Kanban-Systeme, bei denen ein leerer Behälter die Nachlieferung auslöst, Just-in-time-Lieferung, Lagerverwaltung, Materialausgabe und Regalbefüllung, dazu Wartung als Service nach dem Muster 24/7/365. VTH-Hauptgeschäftsführer Thomas Vierhaus nennt die Händler dort "wertvolle Problemlöser vor Ort". Benedikt Baumeister, der auf der Tagung eine mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik erarbeitete Masterarbeit vorstellte, fasste die Kundensicht so zusammen: Es gehe weniger um das Einzelprodukt als um ein "individuelles Service-Level-Agreement", also eine vertraglich zugesagte Leistung statt eines Produkts. Die Mitteilung ist von 2017 und enthält keine Erhebungsdaten — sie beschreibt eine Richtung, keine Marktlage.
Ersetzen Onlineshop und Marktplatz den Besuch — oder verschieben sie ihn?
Sie verschieben ihn. Die Bestellung wandert in den Shop, der Besuch bekommt einen anderen Anlass.
Belastbare Zahlen dazu liefert das B2BEST Barometer mit seinem Schwerpunkt "Plattformen & Außendienst", herausgegeben von ECC KÖLN und Creditreform. Befragt wurden im vierten Quartal 2024 online 204 Großhändler und Hersteller. Dort nennen 37 Prozent den Außendienst als beliebtesten Vertriebskanal — 2021 waren es 29 Prozent. B2B-Marktplätze und geschlossene Kundenplattformen kommen jeweils auf 33 Prozent. Für die kommenden fünf Jahre erwarten die Befragten den eigenen Onlineshop mit 79 Prozent und B2B-Marktplätze mit 75 Prozent als wichtigste Kanäle. Und 77 Prozent sehen den Außendienst auch künftig als zentralen Erfolgsfaktor.
Beides zugleich: Die digitalen Kanäle wachsen in der Erwartung, und der Außendienst wird gleichzeitig beliebter. Das ist kein Widerspruch, wenn man die Kanäle nach Aufgaben trennt statt nach Umsatz. Welche Ausbaustufen ein eigener Shop hat und welche Schnittstellen Ihre Kunden dafür verlangen, haben wir in unserem Überblick zum B2B-Onlineshop für den technischen Handel ausgeführt.
Eine zweite Erhebung zeichnet ein unruhigeres Bild. Die ECC CLUB Studie 2026 "Wer hat den Kunden noch im Griff? B2B-Vertrieb zwischen Handel, Plattform, Außendienst und KI" des IFH KÖLN, veröffentlicht am 8. Oktober 2026, lässt Führungskräfte auf das Jahr 2030 blicken. 76 Prozent erwarten dort eine grundlegende Veränderung der Rollen von Herstellern und Handel, 68 Prozent halten Direktkontakte der Industrie zu Kunden für sehr oder äußerst wichtig. Als wichtigsten Hebel für den Vertriebserfolg nennen 72 Prozent die Verzahnung von Außendienst, Innendienst, Marketing, E-Commerce und Service.
Diese Zahlen tragen weniger weit, als sie klingen. Die Studie beruht auf 25 Führungskräften aus Groß- und Herstellerunternehmen sowie fünf Einkäufer-Personas — also KI-gestützt konstruierten Modellkunden, keinen befragten Personen — und bezeichnet sich selbst als explorativ und ausdrücklich nicht als repräsentative Marktmessung. Prozentwerte aus einer Stichprobe dieser Größe sind Stimmungsbilder einer Runde von Entscheidern, keine Marktanteile. Wir führen sie, weil sie die einzige aktuelle Erhebung zur Kanalfrage im B2B-Vertrieb ist, die wir gefunden haben — und benennen die Einschränkung, statt sie wegzulassen.
Älter, aber für den technischen Handel näher am Thema ist eine Erhebung des ECC KÖLN zur Customer Journey im B2B: Nach ihr informierten sich 77 Prozent der befragten Beschaffungsverantwortlichen regelmäßig beim Außendienst über ihren Bedarf an C-Teilen — den geringwertigen Verbrauchsartikeln, die in großer Zahl und ohne Einzelprüfung beschafft werden — und an Instandhaltungsmaterial, drei Viertel davon beim persönlichen Besuch. Befragt wurden 481 Beschaffungsverantwortliche aus verarbeitendem Gewerbe und Baugewerbe; veröffentlicht wurde die Studie im Oktober 2018, Studienpartner waren Arvato Systems, Intershop und Magento. Der Abstand zum heutigen Stand ist in dieser Frage erheblich, und eine neuere Messung derselben Frage haben wir nicht gefunden. Die Zahl zeigt, wo der Außendienst herkommt, nicht wo er steht.
Welche Daten braucht mein Verkäufer beim Kunden auf dem Gerät?
Die, die er sonst von der Zufahrt aus im Betrieb erfragt. Das ist der praktikabelste Maßstab, und er kostet nichts außer einer Frage an Ihre Verkäufer.
Die Geräte selbst sind längst da. Im B2BEST Barometer gaben 93 Prozent an, im Außendienst Smartphones einzusetzen (2021: 74 Prozent), 89 Prozent Laptops (2021: 77 Prozent) und 69 Prozent Tablets (2021: 63 Prozent). Genutzt werden sie nach dieser Erhebung vor allem für die Produktpräsentation, die 64 Prozent nennen, und für den Zugriff auf Kundendaten mit 55 Prozent.
Dieser Abstand ist die eigentliche Botschaft der Zahlenreihe. Ein Gerät, das etwas vorzeigt, ist verbreiteter als ein Gerät, das in die Warenwirtschaft hineinsieht. Das ist unsere Lesart der beiden Werte, kein Befund der Studie — sie ordnet die Nutzungsarten, bewertet sie aber nicht.
Was im technischen Handel beim Kunden gebraucht wird, lässt sich ohne Erhebung aus der Arbeit ableiten:
- Konditionen, die der Kunde wirklich hat. Rahmenvertragspreise, Staffeln und kundenindividuelle Nettopreise stehen im ERP, also in der Warenwirtschaft, die Artikel, Bestände und Aufträge führt — nicht in der Preisliste. Ein Verkäufer, der sie nicht sieht, nennt entweder den Listenpreis oder gar keinen.
- Der offene Stand. Laufende Angebote, Lieferrückstände und Streckenbestellungen, bei denen die Ware direkt vom Hersteller zum Kunden geht — das sind die Punkte, zu denen der Kunde beim Betreten der Halle als Erstes etwas wissen will.
- Prüf- und Wartungstermine. Wo Sie Prüfpflichten mit abdecken, ist der nächste fällige Termin der beste Besuchsanlass, den Sie haben.
- Zahlungsverhalten und Kreditlimit. Im B2BEST Barometer suchen 87 Prozent bei Zahlungsverzögerungen häufig das direkte Gespräch mit dem Kunden. Dieses Gespräch führt derjenige, der ohnehin vor Ort ist — er muss aber wissen, dass es zu führen ist.
- Die letzte Reklamation. Nichts beschädigt ein Verkaufsgespräch so zuverlässig wie ein Händler, der von einem offenen Vorgang nichts weiß.
Eine Frage, zu der wir keine belastbare Quelle gefunden haben, ist die Netzverfügbarkeit: In Werkhallen, Kellern und auf Baustellen gibt es regelmäßig keine stabile Verbindung, und ob die gängigen mobilen Lösungen im technischen Handel offline brauchbar bleiben, ist nicht erhoben. Lassen Sie sich diesen Punkt von Ihrem Anbieter schriftlich beantworten, bevor Sie ihn als gelöst betrachten.
Wie teile ich meine Kunden auf Besuch, Innendienst und Shop auf?
Nach dem Anlass, aus dem der Kunde Kontakt braucht, nicht nach seinem Umsatz allein. Umsatz sagt Ihnen, wie viel ein Kunde wert ist; der Anlass sagt Ihnen, wer ihn bedienen kann.
In der ECC CLUB Studie 2026 nennen 48 Prozent unterschiedliche Betreuungsmodelle für verschiedene Kundengruppen als entscheidenden Erfolgsfaktor bis 2030, 40 Prozent die Automatisierung von Vertriebsprozessen und 32 Prozent digitale Interaktions- und Self-Service-Angebote. Der Vorbehalt zur Stichprobengröße von oben gilt auch hier.
| Betreuungsform | Passt für | Was der Kunde dort bekommt | Was Sie dafür brauchen |
|---|---|---|---|
| Besuch vor Ort | Kunden mit Anlagen, Prüfpflichten oder Auslegungsfragen; Erstkontakte; Eskalationen | Begutachtung, Messung, Auslegung, Bestandsaufnahme, Schulung am Gerät | Mobiler Zugriff auf Konditionen und Vorgänge; dokumentierten Besuchsanlass |
| Innendienst | Wiederkehrender Bedarf mit Rückfragen; Kunden ohne eigene Technik; Sammelbestellungen | Erreichbarkeit, Verfügbarkeitsauskunft, Alternativvorschlag bei Lieferengpass | Dieselbe Datensicht wie im Außendienst; klare Zuordnung je Kunde |
| Shop und Plattform | Wiederholbestellung bekannter Artikel; Nachtbestellung; Kunden mit eigenem Einkaufssystem | Preis, Verfügbarkeit, Bestellhistorie, Anbindung an das eigene System | Vollständige Produktdaten; hinterlegte Kundenkonditionen |
Die Spalte, an der solche Modelle scheitern, ist die rechte. Eine Kundengruppe vom Besuch auf den Innendienst umzustellen funktioniert nur, wenn der Innendienst dieselben Auskünfte geben kann, die der Verkäufer gegeben hat. Sonst verlieren Sie nicht Besuchskosten, sondern den Kunden.
Wie viele Besuche wirtschaftlich sind, können wir Ihnen nicht sagen. Belastbare Zahlen zu Besuchsfrequenzen, Gebietsgrößen oder Kosten je Kundenbesuch im technischen Handel haben wir nicht gefunden; was die Suche zutage bringt, sind Seiten von Beratern und Vertriebsdienstleistern ohne offengelegte Methodik. Rechnen können Sie es mit Ihren eigenen Größen: Nehmen Sie die Jahreskosten einer Außendienststelle, teilen Sie sie durch die Besuche, die tatsächlich im Kalender standen, und legen Sie das Ergebnis neben den Rohertrag der besuchten Kunden. Die Zahl, die dabei herauskommt, gehört Ihnen und keiner Studie.
Für Kunden, deren Bedarf sich automatisieren lässt, ist die Versorgung selbst der nächste Schritt — Kanban-Behälter, Scanner und Ausgabeautomaten lösen den Nachschub aus, ohne dass jemand bestellt. Was das für Händler bedeutet, steht in unserem Überblick zu C-Teile-Management und Ausgabeautomaten.
Was ändert sich, wenn im Einkauf meiner Kunden die Generation wechselt?
Die Entscheidung verlagert sich von der Beziehung auf die Daten. Wer Ihre Artikel nicht findet oder nicht vergleichen kann, lädt Sie nicht zum Gespräch ein.
In der ECC CLUB Studie 2026 mit ihrer kleinen Stichprobe sind 88 Prozent der befragten Führungskräfte überzeugt, dass der Generationenwechsel im Einkauf den Vertrieb bis 2030 massiv beeinflusst. 56 Prozent erwarten, dass hohe Kundenzufriedenheit schwerer zu erreichen wird. Die Pressemitteilung zitiert außerdem eine zweite Erhebung desselben Hauses, "Commerce goes Agentic" von ECC KÖLN und Arvato Systems aus dem Jahr 2026: Dort erwarten 62 Prozent, dass autonome Beschaffungs- und Vertriebsagenten die Kanaltreue verringern, und 63 Prozent, dass objektive Kriterien bei automatisierten Beschaffungsentscheidungen wichtiger werden als das Markenimage. Arvato Systems ist kommerzieller Studienpartner; das ist beim Lesen mitzudenken.
Für Ihren Außendienst folgt daraus etwas Unspektakuläres. Je mehr Vorauswahl im Einkaufssystem des Kunden passiert, desto stärker hängt der Besuch davon ab, ob Ihre Artikel dort überhaupt auftauchen — mit Merkmalen, nach denen sich filtern lässt, nicht mit Fließtext. Die Klassifikation der Produktdaten ist damit keine Aufgabe des Marketings mehr, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Ihr Verkäufer noch einen Termin bekommt.
Was kostet die Digitalisierung des Außendienstes, und wie lange dauert sie?
Belastbare Zahlen dazu liegen nicht vor. Wir haben nach Studien, Verbandsangaben und Herstellerpreisen gesucht und nichts gefunden, das wir Ihnen zumuten würden; die Anbieter mobiler Vertriebslösungen veröffentlichen keine Preise, und die Seiten, die Zahlen nennen, nennen keine Methodik.
Was sich sagen lässt, ist, wo der Aufwand nicht liegt. Nicht in den Endgeräten: Smartphones und Laptops sind nach den oben genannten Werten des B2BEST Barometers im Außendienst der befragten Betriebe weit verbreitet. Nicht in der Einsicht: 90 Prozent messen digitalisierten Verkaufsprozessen hohe Bedeutung bei (2021: 84 Prozent), und 84 Prozent priorisieren ausdrücklich die Digitalisierung des Außendienstes (2021: 74 Prozent). Nur etwa ein Drittel hat die Umsetzung nach derselben Erhebung weit vorangetrieben.
Die Lücke zwischen Priorität und Umsetzung liegt in der Datenbasis. Nach Zahlen von Eurostat für das Referenzjahr 2025 nutzten in der EU 25 Prozent der kleinen und 65 Prozent der großen Unternehmen eine CRM-Software, also ein System zur Verwaltung von Kundenkontakten und Vertriebsvorgängen; einen deutschen Einzelwert weist die Veröffentlichung nicht aus. Für Bayern nennt das Bayerische Landesamt für Statistik 33 Prozent der Unternehmen ab zehn Beschäftigten. Übertragen auf die Frage dieses Abschnitts heißt das: Bei vielen Betrieben Ihrer Größenordnung ist die erste Rechnung nicht die für eine App, sondern die für die Vorarbeit — Kundenstamm bereinigen, Konditionen sauber hinterlegen, Zuständigkeiten je Kunde festschreiben.
Christian Kramer von Creditreform, Studienpartner des B2BEST Barometers, nennt als große Herausforderungen insbesondere die Kosten und die Komplexität digitaler Systeme. Dass ein Studienpartner aus der Wirtschaftsinformationsbranche hier spricht, ändert nichts an der Plausibilität der Aussage, sollte aber mitgelesen werden.
Rechnen Sie selbst, und zwar mit Ihren Größen: Lizenzkosten je Nutzer und Monat multipliziert mit der Zahl Ihrer Außendienststellen, dazu die einmalige Anbindung an Ihre Warenwirtschaft und die Arbeitszeit für die Datenbereinigung. Die ersten beiden Posten nennt Ihnen Ihr Systemhaus auf Anfrage. Den dritten kennt nur, wer in Ihren Kundenstamm hineingesehen hat.
Woran scheitern diese Projekte im Fachhandel?
An drei Punkten, von denen zwei nichts mit Software zu tun haben.
Der erste ist die Datengrundlage. Ein mobiler Zugriff auf einen Kundenstamm, in dem Konditionen nicht hinterlegt und Ansprechpartner veraltet sind, macht die Lücken sichtbar, ohne sie zu schließen. Der Verkäufer greift dann wieder zum Telefon, und das Projekt gilt als gescheitert, obwohl die Software funktioniert hat.
Der zweite ist die Akzeptanz, und sie entscheidet sich an der Reihenfolge: Ein System, das vom Außendienst zuerst etwas verlangt und erst später etwas liefert, wird nicht benutzt. Wie Sie das drehen und was dabei mit dem Betriebsrat zu klären ist, haben wir in unserem Ratgeber CRM einführen, ohne den Vertrieb zu verlieren ausgeführt; hier geht es nur um die Folge für die Kanalfrage — ohne gepflegte Besuchsdaten können Sie keine Kundengruppe umsteuern, weil Sie nicht wissen, was bei den Besuchen passiert.
Der dritte ist der Wissensabfluss, der parallel läuft. Im DIHK-Fachkräftereport 2025/2026, für den im Herbst 2025 über 21.000 Unternehmensantworten erhoben wurden, können 32 Prozent der Handelsbetriebe offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen; über alle Branchen sind es 36 Prozent. Fast jedes vierte Unternehmen (23 Prozent) rechnet damit, dass mit dem altersbedingten Ausscheiden Beschäftigter betriebsspezifisches Wissen verloren geht; im Handel sind es ebenfalls 23 Prozent. Bei der Deutung ist Vorsicht geboten: 48 Prozent der Betriebe haben nach demselben Report derzeit gar keinen Personalbedarf, ein Teil der Entspannung ist also schwache Konjunktur und kein entspannter Arbeitsmarkt.
Für den Außendienst im technischen Handel ist dieser Punkt der unangenehmste. Die Auslegungserfahrung eines langjährigen Verkäufers ist genau das betriebsspezifische Wissen, das der Report meint, und sie steht in keinem System. Ein mobiler Datenzugriff hält sie nicht fest. Ein dokumentierter Besuchsanlass mit Messwert, Foto und Entscheidungsgrund kommt näher heran.
Bleibt die ehrliche Einordnung aller Zahlen in diesem Beitrag: Eine Erhebung zum Außendienst speziell im technischen Fachhandel existiert nicht. Der VTH vertritt nach eigenen Angaben rund 220 Großhandlungen und hat zu dieser Frage nach unserer Recherche keine Mitgliederumfrage veröffentlicht; die verwertbaren Zahlen stammen aus branchenübergreifenden Stichproben von Großhändlern und Herstellern. Wer Ihnen eine Branchenzahl zum digitalen Außendienst im technischen Handel nennt, sollte die Erhebung benennen können.
Ihr Fahrplan für die nächsten Wochen
- Ziehen Sie die Besuchswirklichkeit aus der Warenwirtschaft. Welche Kunden wurden im letzten Quartal besucht, welcher Rohertrag steht dahinter, und bei welchen Kunden war der letzte Besuch ohne Vorgang? Diese Liste ist Ihre Diskussionsgrundlage, nicht die Umsatzrangliste.
- Fragen Sie Ihre Verkäufer nach der häufigsten Rückfrage. Welche Auskunft holen sie beim Kunden regelmäßig telefonisch im Betrieb ein? Die Antworten sind Ihre Anforderungsliste für den mobilen Zugriff, und sie kosten ein Meeting.
- Lassen Sie sich die Antwort Ihres Systemhauses schriftlich geben. Welche dieser Auskünfte sind mobil verfügbar, welche nicht, und was ist offline nutzbar? Ohne Schriftform klärt sich diese Frage erst im Projekt.
- Legen Sie eine Kundengruppe fest, die künftig anders betreut wird — und das Gegenangebot. Wer den Besuch verliert, muss etwas bekommen: einen festen Ansprechpartner im Innendienst, hinterlegte Konditionen im Shop, eine zugesagte Reaktionszeit.
- Prüfen Sie, wo Sie ohnehin Prüf- und Wartungsleistungen erbringen. Liegen die Protokolle beim Kunden digital und mit Fälligkeitsdatum vor, haben Sie Besuchsanlässe im Kalender statt im Gedächtnis.
- Benennen Sie eine Person und ein Datum. Ein Projekt ohne verantwortliche Person und ohne Termin für die erste Zwischenprüfung bleibt eine Absicht.
Quellen
- B2BEST Barometer: Digitalisierungsbedarf im Außendienst bleibt hoch (Schwerpunkt Plattformen & Außendienst, 204 Großhändler und Hersteller, Erhebung 4. Quartal 2024)ECC KÖLN und Creditreform · 14.11.2024
- B2BEST Barometer: Vertriebsstrukturen im B2B-Handel auf dem PrüfstandIFH KÖLN · 14.11.2024
- B2B-Vertriebsstrukturen im Wandel (Pressemitteilung zur ECC CLUB Studie 2026 'Wer hat den Kunden noch im Griff?', 25 Führungskräfte und fünf Personas, explorativ)IFH KÖLN / ECC KÖLN · 08.10.2026
- Präventive Wartung: digitales Schlauchmanagement bei Zentis durch ProTec Industriebedarf (Erfolgsgeschichte)VTH Verband Technischer Handel e. V. · Stand 05.01.2025
- Condition Monitoring bei der FDT: Schwingungsmessungen durch Faber Industrietechnik (Erfolgsgeschichte)VTH Verband Technischer Handel e. V. · Stand 15.12.2021
- Fachhändler für Antriebstechnik setzen auf Dienstleistungen und Digitalisierung in der Supply Chain (Jahrestagung der Fachgruppe Antriebstechnik vom 25.10.2017)VTH Verband Technischer Handel e. V. · 27.11.2017
- Digitalisierung im Technischen Handel (Themenseite, VTH-Kompetenzplattform Digitalisierung, VTH-eData-Pool)VTH Verband Technischer Handel e. V.
- Persönlicher Kontakt weiterhin wichtig im B2B: Außendienstmitarbeiter müssen in ganzheitliche Digitalstrategie integriert werden (ECC-Studie 'Customer Journey im B2B' mit Arvato Systems, Intershop und Magento, 481 Beschaffer aus verarbeitendem Gewerbe und Baugewerbe)IFH KÖLN / ECC KÖLN · 23.10.2018
- Nutzung von CRM-Software in Unternehmen der EU, Referenzjahr 2025Eurostat · 20.05.2026
- DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 (Erhebung Herbst 2025, über 21.000 Unternehmensantworten)DIHK · 2026
- VTH im Überblick: Profil des Verbands (rund 220 Großhandlungen)VTH Verband Technischer Handel e. V.