Zum Inhalt springen
FachhandelspulsNewsletter
Menü
VergleichQuellengeprüft

Unite, WUCATO, simple system: Soll ich als Fachhändler über eine Beschaffungsplattform verkaufen?

Ob sich eine Beschaffungsplattform für Sie lohnt, entscheidet nicht die Reichweite, sondern das Modell. Bei Unite verkaufen Sie an die Plattform: Sie ist Ihr einziger Rechnungsempfänger, trägt das Zahlungsausfallrisiko und bildet den Kundenpreis mit einer eigenen, algorithmisch bestimmten Spanne. Bei simple system schließen Sie den Kaufvertrag selbst mit Ihrem Kunden, zu Ihren Preisen, und zahlen eine veröffentlichte Provision von anfangs 4 Prozent auf dem Partner-Marktplatz und 6 Prozent auf dem offenen Marktplatz. WUCATO bietet beide Wege an, nennt für Lieferanten aber keine Konditionen; Unite nennt nur die Gebührenarten, keine Beträge.

E-Commerce & Marktplätze12 Min. LesezeitVeröffentlicht am 16. Oktober 2026

Nach welchen Kriterien sollte ich eine Beschaffungsplattform bewerten, bevor ich Anbieter anschaue?

Nach fünf, und keines davon ist eine Funktionsfrage. Wer mit der Funktionsliste beginnt, vergleicht Oberflächen; wer mit diesen fünf Punkten beginnt, vergleicht Geschäftsmodelle.

Erstens: Wer ist der Vertragspartner Ihres Kunden? Bei manchen Plattformen verkaufen Sie an die Plattform, und die verkauft weiter. Bei anderen bleibt der Kaufvertrag zwischen Ihnen und Ihrem Kunden, und die Plattform liefert nur die Bestellstrecke. Das entscheidet über Haftung, Gewährleistung und darüber, wessen Namen Ihr Kunde auf der Rechnung liest.

Zweitens: Wer bestimmt den Preis, den Ihr Kunde sieht? Entweder Sie nennen einen Verkaufspreis, oder Sie nennen einen Abgabepreis und die Plattform rechnet ihre Spanne darauf. Im zweiten Fall sehen Sie den Endpreis Ihres Kunden nicht unbedingt — und er sieht Ihre Kalkulation nicht.

Drittens: Bleibt die Kundenbeziehung Ihre? Wer macht die Kundenkommunikation, wer den Reklamationsfall, wer das Jahresgespräch? Und wer darf die Bestelldaten auswerten? Für einen Betrieb, dessen Vertrieb über Außendienst und Anwendungstechnik läuft, ist das keine Nebenfrage.

Viertens: Was müssen Sie an Daten und Technik liefern? Ein elektronischer Katalog, meist im BMEcat-Format — dem XML-Standard, in dem Artikeldaten im B2B ausgetauscht werden —, ist der Mindesteinsatz. Dazu kommen je nach Plattform Bestandsabfragen, ein Bestelleingang in einem Standardformat wie openTRANS — dem XML-Format für Bestellungen und Folgebelege wie Auftragsbestätigung und Lieferschein — und ein Übergabeweg für die Dateien.

Fünftens: Was kostet die Teilnahme, und ist das nachprüfbar? Hier unterscheiden sich die drei Anbieter am stärksten, wie der Abschnitt zu den Konditionen zeigt.

Dass sich der Aufwand grundsätzlich lohnen kann, zeigt die Größenordnung des Kanals. Nach dem B2B-Marktmonitor 2025 von ECC Köln mit den Partnern FIS und Shopware setzten Großhandel und Hersteller 2024 über den B2B-Internethandel 509 Milliarden Euro um, 7 Prozent mehr als im Vorjahr und 12,1 Prozent ihrer Gesamtumsätze. Davon liefen 76 Prozent über eigene Onlineshops und 24 Prozent über Marktplätze — gerechnet mit dem genannten Gesamtwert sind das rund 122 Milliarden Euro. Zu beachten ist die Interessenlage: FIS und Shopware sind kommerzielle Studienpartner. Wie Sie den anderen, größeren Teil dieses Kanals besetzen, behandelt unser Beitrag zum B2B-Onlineshop für den technischen Handel; hier geht es um das Viertel, das über Plattformen läuft.

Wie unterscheiden sich Unite, WUCATO und simple system im Modell?

Im Grundsatz darin, wer Ihrem Kunden verkauft. Bei Unite verkaufen Sie an die Plattform, die weiterverkauft. Bei simple system schließen Sie den Kaufvertrag selbst mit Ihrem Kunden, zu Ihren Preisen, und die Plattform vermittelt gegen Provision. WUCATO bietet beide Wege an.

KriteriumUnite (Spotmarket)WUCATOsimple system
Vertragspartner Ihres KundenUnite. Sie sind "Vorlieferant von Unite"; "Unite fungiert als Ihr einziger Debitor", also als Ihr einziger Rechnungsempfänger. Sie stellen die Rechnung an Unite, das Zahlungsausfallrisiko liegt dortWahlweise: Bei indirekten Lieferanten kommt der Kaufvertrag mit der WUCATO Marketplace GmbH zustande, bei direkten Lieferanten mit Ihnen, dann "based on your own GTCs"Sie. Die Kaufverträge kommen "nur zwischen dem Lieferanten und dem bestellenden Kunden zustande", es gelten Ihre Geschäftsbedingungen; die Plattform vermittelt
PreishoheitUnite. Sie nennen je Artikel einen Einkaufspreis, das System schlägt eine algorithmisch bestimmte Marge auf. Kundenbezogene Preiskategorien mit Staffeln lassen sich per CSV hinterlegenIndirekt: WUCATO übernimmt die Preisgestaltung. Direkt: Sie setzen Sortiment und Preise selbstSie. Kunden bestellen "zu den Preisen des Lieferanten"; für bestehende Preisvereinbarungen ordnen Sie einzelnen Kunden eigene Kataloge zu
KundenbeziehungLiegt im Marktplatzgeschäft bei Unite; Sie liefern direkt an den Kunden, mit Unite-LieferscheinIndirekt: WUCATO übernimmt Kundenkommunikation und Abwicklung. Direkt: "Existing business relationships remain intact"Bleibt bei Ihnen; Partner-Kataloge sieht nur der zugeordnete Kunde. Die Nutzungsbedingungen erlauben simple system, Transaktionsdaten auszuwerten und als Reports oder Benchmarks weiterzugeben, weitestgehend anonymisiert
Öffentlich genannte Gebühren und KonditionenEinmalige Anbindungsgebühr und monatliche Servicepauschale, beide ohne Betrag; Details im Rahmenvertrag. Preisberichte kostenpflichtig, ohne BetragKeine Gebühren- oder Provisionsangabe auf der LieferantenseiteRegistrierung kostenlos. Provision auf den Netto-Bestellumsatz: Start mit 4 Prozent auf dem Partner-Marktplatz, sinkend mit dem Umsatz; 6 Prozent auf dem offenen Marktplatz. OCI-Katalog: 100 Euro Aktivierung des Moduls, 600 Euro pro Jahr je 10 Kunden oder OCI-Links, 100 Euro einmalig je Kunde oder Link. Sonderleistungen 90 Euro je Stunde
KataloganforderungenElektronischer Katalog im CSV- oder XML-Format (BMEcat), Upload per SFTP; Bilder, Datenblätter, Lieferzeiten und Bestandsinfos; EANs, soweit der Hersteller sie vergibtAuf der Lieferantenseite nicht spezifiziertBMEcat in Version 1.2 oder 2005 mit ECLASS-Klassifizierung ab Version 5.1; Upload manuell oder per FTP; Erstellung des BMEcat durch simple system auf Anfrage
Schnittstellen und BestellabwicklungDirektbelieferung mit Unite-Lieferschein; Lagerstandsabfrage und Bestellschnittstellen in eigenen Support-Artikeln beschriebenNicht spezifiziert; WUCATO verweist auf eigene Spezialisten für die technische AnbindungBestelleingang per HTTPS, FTP/SFTP oder E-Mail, in openTRANS 1.0 oder 2.1, S2XML, S2cXML oder Klartext; Folgebelege über die Plattform; keine IT-Integration erforderlich. OCI-Weiterleitung in Ihren Shop kostenpflichtig
Betreiber und EigentümerUnite Network SE, LeipzigWUCATO Marketplace GmbH, Stuttgart; im Oktober 2015 als Tochtergesellschaft der Würth-Gruppe gegründetsimple system GmbH, München; im Dezember 2000 gegründet von KAISER+KRAFT, Keller & Kalmbach, Hoffmann Group und ETG J. Fröschl. Heute 100-prozentige Tochter der Hoffmann Group, alleinige Gesellschafterin seit 2021 die Hoffmann SE

Drei Einordnungen zur Tabelle. Erstens: Die Lücken liegen ungleich verteilt. simple system veröffentlicht Provisionssätze und Gebühren mit Beträgen, Unite nur die Gebührenarten, WUCATO auf der Lieferantenseite gar keine Konditionen. Wo nichts steht, erfahren Sie den entscheidenden Teil erst im Gespräch — und sollten dort nach genau den sieben Zeilen oben fragen.

Zweitens: Zwei der drei Plattformen stammen aus großen Handelshäusern. simple system ist eine Tochter der Hoffmann Group und über sie Teil der SFS Group; WUCATO wurde nach einer Mitteilung der Würth-Gruppe vom 1. Dezember 2016 als deren Tochtergesellschaft gegründet, eine aktuelle Gesellschafterangabe fanden wir auf den WUCATO-Seiten nicht. Für viele Fachhändler sind diese Konzerne selbst Wettbewerber — das ist unsere Einordnung, keine Aussage über das Verhalten der Plattformen. simple system schreibt, es verkaufe keine eigenen Produkte und bevorzuge keinen Lieferanten. Fragen Sie trotzdem schriftlich nach, wer welche Auswertungen Ihrer Bestelldaten zu sehen bekommt.

Drittens: Unite ist nach unserer Recherche das einzige der drei Häuser, das aktuelle Geschäftszahlen veröffentlicht. Für das Geschäftsjahr 2025 weist es einen Umsatz von 465,3 Millionen Euro aus, ein Plus von 3,7 Prozent, bei einem EBITDA — dem Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen — von 5,4 Millionen Euro nach einem Anstieg um 28,8 Prozent. Für 2024 nannte Unite 448,7 Millionen Euro Umsatz und daneben 71,8 Millionen Euro Netto-Umsatz. Wie das Haus die beiden Umsatzbegriffe voneinander abgrenzt, erläutern die Mitteilungen nicht — für einen Lieferanten ist aber genau das die Frage, weil sie zeigt, welcher Teil des Volumens durchgehandelte Ware ist und welcher bei der Plattform bleibt. simple system nennt auf seinen Seiten Reichweitenangaben — über 28.000 aktive Einkäufer und über 1.000 Lieferanten —, aber keinen aktuellen Umsatz. Zu WUCATO liegen uns keine vergleichbaren Zahlen vor; ein Größenvergleich der drei ist damit nicht möglich.

Was ist über Gebühren und Preisbildung belegt — und was nicht?

Bei simple system sind Struktur und Höhe belegt, bei Unite nur die Struktur, bei WUCATO keines von beiden.

simple system legt seine Konditionen in zwei Dokumenten offen. Nach der Vergütungsvereinbarung (Version 3.2, Stand Januar 2025) starten neu registrierte Lieferanten mit einem Provisionssatz von 4,00 Prozent auf den Netto-Bestellumsatz, also den Umsatz vor Umsatzsteuer. Der Satz gilt bis zum Ende des Kalenderjahres und wird danach anhand des Vorjahresumsatzes neu bewertet; mit steigendem Umsatz sinkt er. Die Schwellen dieser Staffel haben wir in den öffentlich abrufbaren Dokumenten nicht als Text gefunden. Bestellungen über den offenen Marktplatz, also aus einem öffentlichen Katalog, den alle registrierten Kunden sehen, kosten einheitlich 6,00 Prozent. Gerechnet heißt das: je 10.000 Euro Netto-Bestellumsatz 400 Euro Provision zum Startsatz auf dem Partner-Marktplatz und 600 Euro auf dem offenen Marktplatz. Fixkosten, Monatspauschalen oder eine Mindestprovision gibt es nach der Lieferantenseite nicht.

Zwei Klauseln der Vergütungsvereinbarung sollten Sie kennen. Die Provision steht simple system auch dann zu, wenn ein Kunde von seinem Kaufvertrag mit Ihnen zurücktritt oder dieser nicht zustande kommt. Und neue Lieferanten erhalten die erste Provisionsrechnung nach drei Monaten rückwirkend, danach monatlich, sofern der Rechnungsbetrag 50 Euro übersteigt, mindestens aber einmal jährlich; fällig jeweils 14 Tage nach Rechnungserhalt.

Für die OCI-Weiterleitung in Ihren eigenen Shop — das Open Catalog Interface, über das ein Einkäufer aus seinem System direkt in Ihren Shop springt — nennt die Service-Preisliste in den Nutzungsbedingungen (Version 3.0, Stand März 2023) feste Beträge: 100 Euro einmalig für die Aktivierung des OCI-Moduls, eine Jahresgebühr von 600 Euro je 10 Kunden oder OCI-Links und 100 Euro einmalig je Kunde oder Link, inklusive Prüfung des Katalogs. Gerechnet für zehn angebundene Kunden sind das im ersten Jahr 1.700 Euro und danach 600 Euro pro Jahr, jeweils netto. Sonderleistungen wie die nachträgliche Überarbeitung von Katalogen berechnet simple system mit 90 Euro je Stunde. Wie eine OCI-Anbindung technisch aufgebaut ist und wo sie hakt, beschreibt unser Beitrag zur Einrichtung einer OCI-Schnittstelle.

Unite nennt auf seiner Lieferantenseite zwei Positionen: eine einmalige Anbindungsgebühr, die mit der Veröffentlichung des Katalogs anfällt und nicht von der Artikelzahl abhängt, und eine monatliche Servicepauschale für Systembereitstellung, Katalog-Updates und Datenvorhaltung. Beträge stehen dort nicht; sie ergeben sich laut Anbieter aus Rahmenvereinbarung und AGB. Versandkosten gibt Unite nach eigener Darstellung 1:1 und wertbezogen, nicht gewichtsbezogen, an den Kunden weiter.

Die Preismechanik ist der Punkt, den Fachhändler bei Unite unterschätzen. Sie liefern je Artikel einen Einkaufspreis; der Kundenpreis entsteht, indem das System eine algorithmisch bestimmte Marge aufschlägt. Sie verkaufen also nicht zu Ihrem Preis, sondern zu Ihrem Abgabepreis — mit der Folge, dass Sie Ihre Wettbewerbsfähigkeit am Markt nur mittelbar steuern. Unite bietet dafür optional kostenpflichtige Preisberichte an, mit denen Lieferanten ihre Position beobachten und nachsteuern können.

Bestehende Konditionen lassen sich auch bei Unite abbilden: Nach der Supportdokumentation des Unite-Netzwerks, die unter mercateo.com liegt, legen Lieferanten eigene Preiskategorien an, ordnen sie einzelnen Kunden zu und laden sie als CSV-Datei hoch — mit Artikelnummer, Staffelgrenzen und Nettopreis je Staffel. So kommen Rahmenvertragspreise auf die Plattform, ohne dass alle Teilnehmer sie sehen.

WUCATO beschreibt auf seiner Lieferantenseite die beiden Modelle, nennt aber weder Provisionen noch Gebühren. Die Konditionen erfahren Sie dort nur im Gespräch.

Was wir bei keinem der drei gefunden haben, ist eine unabhängige Messung der Wirkung: keine Studie und keinen geprüften Erfahrungsbericht dazu, wie sich Umsatz, Marge oder Lieferkosten eines technischen Fachhändlers durch die Teilnahme verändern. Rechnen Sie deshalb mit Ihren eigenen Zahlen, nicht mit fremden Erfolgsgeschichten.

Welche Betriebsgröße passt zu welchem Modell?

Das hängt weniger an der Mitarbeiterzahl als an drei Voraussetzungen: ob Sie einen pflegbaren Katalog haben, ob Ihr Sortiment ohne Beratung verkäuflich ist, und ob Sie bereits Industriekunden haben, die elektronisch bestellen wollen.

Dem kleinen Händler ohne strukturierte Artikeldaten nützt keine dieser Plattformen, solange der Katalog fehlt. Die Anbindung setzt einen elektronischen Katalog voraus, in der Regel im BMEcat-Format, und ein solcher Export ist nur so gut wie die Klassifikation dahinter. Wer hier steht, investiert die erste Anstrengung sinnvoller in die Produktdaten — unser Beitrag zu ETIM, eCl@ss und BMEcat ordnet die Standards ein. Erst danach ist die Plattformfrage überhaupt entscheidbar.

Dem Händler mit gepflegtem Katalog und Randsortiment, das er bisher kaum verkauft, bietet das Weiterverkaufsmodell den klarsten Nutzen: Reichweite für standardisierte Artikel, bei denen niemand Beratung erwartet und bei denen Sie die Kundenbeziehung nicht brauchen. Dass die Plattform den Endpreis bestimmt, ist hier verkraftbar, weil es ohnehin kein Konditionsgeschäft ist. Unite trägt dabei das Zahlungsausfallrisiko. Der offene Marktplatz von simple system ist die Alternative mit eigenen Preisen, kostet aber mit 6 Prozent mehr Provision als das Partnergeschäft.

Dem Händler mit festen Industriekunden geht es umgekehrt. Wer Rahmenverträge und Jahresgespräche hat, will nicht über eine Plattform verkaufen, sondern über sie beliefert werden — also ein Modell, in dem Kaufvertrag, Preis und Beziehung bei ihm bleiben. Das sind das Direktmodell von WUCATO und der Partner-Marktplatz von simple system; bei Unite kommen kundenbezogene Preiskategorien diesem Ziel am nächsten, der Vertragspartner bleibt dort aber Unite. Oft entscheidet ohnehin der Kunde, weil er seinen Einkauf bereits auf einer Plattform gebündelt hat. Für diese Konstellation ist das indirekte Modell, bei dem die Plattform Preisgestaltung und Kundenkommunikation übernimmt, die falsche Wahl.

Keine dieser Plattformen ist generell die bessere. Unite ist nach unserer Recherche das einzige der drei Häuser mit veröffentlichten Geschäftszahlen und bietet das abgeschlossenste Modell samt Zahlungsausfallschutz; WUCATO bietet mit dem Direktmodell ausdrücklich den Weg, bestehende Geschäftsbeziehungen unberührt zu lassen; simple system lässt Vertrag und Preis bei Ihnen und ist das einzige der drei Häuser, dessen Provisionssätze und Gebühren Sie vor dem Erstgespräch nachrechnen können.

Was an diesen Plattformen für den technischen Handel besonders ist

Dass der Teil des Geschäfts, mit dem diese Branche ihr Geld verdient, auf einem Marktplatz nicht abbildbar ist. Anwendungstechnische Beratung, die Auswahl der richtigen Schweißzusätze für einen Werkstoff, die Abstimmung von Schutzausrüstung auf eine Gefährdungsbeurteilung, die Abholung an der Theke am Samstagmorgen: Dafür gibt es kein Katalogfeld. Plattformen bedienen den anderen Teil — Wiederholbestellung, Standardartikel und C-Teile, also geringwertige Verbrauchsartikel mit hohem Bestellaufwand. Wie Fachhändler dieses Geschäft auch ohne Plattform automatisieren, zeigt unser Beitrag zum C-Teile-Management mit Ausgabeautomaten.

Der Verband Technischer Handel sieht es ähnlich und empfiehlt eine hybride Linie: Plattformen als "Reichweiten-Booster" für die Gewinnung neuer Kunden zu nutzen und gleichzeitig einen starken eigenen Kanal aufzubauen. Die Differenzierung sieht der Verband in "Angebotstiefe und Service und Information – und das radikal in der Nische!". Wie der eigene Kanal sichtbar wird, behandeln wir in unserem Beitrag zu SEO und GEO für den technischen Fachhandel.

Wie verbreitet die Plattformteilnahme in dieser Branche ist, lässt sich nicht sagen. Der VTH vertritt rund 220 Großhandlungen; eine Erhebung, wie viele davon auf Unite, WUCATO oder simple system verkaufen, gibt es nach unserer Recherche nicht.

Auch die Wachstumszahlen sind nicht eindeutig. Der B2B-Marktmonitor 2025 nennt für Marktplätze ein durchschnittliches Wachstum von 29,4 Prozent pro Jahr im Zeitraum 2018 bis 2024, eine ältere Auswertung desselben Hauses, der B2B-Marktmonitor 2023, knapp 42 Prozent pro Jahr im Zeitraum 2018 bis 2022. Die Zeiträume sind verschieden, die Richtung ist dieselbe, die Zahl ist es nicht. Wer Ihnen eine davon als "das Marktplatzwachstum" verkauft, hat die andere nicht gelesen.

Ihre Entscheidungshilfe

Beantworten Sie vor dem ersten Anbietergespräch drei Fragen schriftlich. Welchen Teil Ihres Sortiments wollen Sie ohne Beratung und ohne Kundenbeziehung verkaufen? Welche Ihrer Kunden haben Sie schon nach einer Plattformanbindung gefragt — und nach welcher? Und welche Marge bleibt Ihnen auf den betroffenen Artikeln, wenn eine fremde Spanne auf Ihren Abgabepreis kommt oder eine Provision von Ihrem Verkaufspreis abgeht?

Dann drei Schritte. Lassen Sie sich von Ihrem Warenwirtschafts- oder PIM-Anbieter — dem System, in dem Ihre Produktdaten gepflegt werden — zeigen, ob ein BMEcat-Export aus Ihren Daten ohne Nacharbeit entsteht; das ist die Eintrittskarte für jede dieser Plattformen und gleichzeitig der ehrlichste Test Ihrer Datenqualität. Rechnen Sie für simple system die veröffentlichten Sätze mit Ihrem erwarteten Plattformumsatz und der Zahl Ihrer OCI-Kunden durch, bevor Sie mit Unite oder WUCATO sprechen; dann haben Sie einen Vergleichswert für deren Angebot. Und fragen Sie im Erstgespräch die sieben Zeilen der Tabelle oben ab, schriftlich, ergänzt um die Frage, wer Ihre Bestelldaten auswerten darf. Was eine Plattform zu Vertragspartner, Preishoheit und Kundenkontakt nicht schriftlich beantwortet, ist später nicht verhandelbar.

Quellen

  1. Unite Lieferant werden – Informationen für LieferantenUnite Network SE
  2. Unite erzielt solides Wachstum im Geschäftsjahr 2025Unite Network SE · 31.03.2026
  3. Wachstum gegen den Trend: Unite meldet Umsatzplus für das Geschäftsjahr 2024Unite Network SE · 26.03.2025
  4. Individuelle Preiskonditionen im Unite NetzwerkMercateo / Unite
  5. Become a supplier – Wucato für LieferantenWUCATO Marketplace GmbH
  6. FAQ – frequently asked questions and answersWUCATO Marketplace GmbH
  7. Würth-Gruppe baut Online-Vertrieb weiter aus – B2B-Online-Beschaffungsplattform Wucato startet in DeutschlandWürth-Gruppe · 01.12.2016
  8. Einkaufsoptimierer mit Macher-Mentalität: Das ist Wucato (Gründung 19.10.2015 als eigenständiges Start-up der Würth-Gruppe)WUCATO Marketplace GmbH
  9. Für Lieferantensimple system GmbH
  10. Vergütungsvereinbarung zwischen dem Lieferanten und simple system GmbH, Version 3.2simple system GmbH · 01.2025
  11. Nutzungsbedingungen der simple system e-procurement Plattform für Lieferanten, Version 3.0 (mit Anlage 1: Service-Preisliste)simple system GmbH · 03.2023
  12. Über uns: Das Team hinter der Plattform (Zeitleiste, Gesellschafter)simple system GmbH
  13. Pressemitteilung: simple system feiert 20-jähriges Firmenjubiläum mit neuer Websitesimple system GmbH & Co. KG · 16.09.2020
  14. Trotz Konjunkturflaute: B2B-Internethandel von Herstellern und Großhandel legt um sieben Prozent zu (B2B-Marktmonitor 2025)ECC Köln / IFH Köln, mit FIS und Shopware · 02.10.2025
  15. B2B-Internethandel: 427 Milliarden Euro Umsatz über Großhandel und Hersteller (B2B-Marktmonitor 2023, mit Creditreform und Intershop)ECC Köln / IFH Köln · 18.09.2023
  16. Transformation des HandelsVTH Verband Technischer Handel e.V. · 08.10.2025