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ETIM, eCl@ss und BMEcat für Fachhändler: Welcher Standard wofür?

ETIM und eCl@ss beschreiben, was ein Artikel ist; BMEcat transportiert diese Beschreibung. Sie brauchen deshalb nicht das eine oder das andere, sondern eine Klassifikation und ein Austauschformat — welches System, entscheidet Ihr Kunde und nicht Ihr Sortiment. Der Standard selbst ist nach Angaben von ETIM Deutschland kostenlos nutzbar; bezahlt wird die Arbeit an den Merkmalen und der Wechsel auf die nächste Version. Die ist mit ETIM 11.0 für den 1. Dezember 2026 vorgesehen.

Stammdaten & PIM13 Min. LesezeitVeröffentlicht am 16. Oktober 2026

Welche drei Standards muss ich auseinanderhalten?

ETIM und eCl@ss beschreiben, was ein Artikel ist. BMEcat beschreibt, wie diese Beschreibung von einem System ins nächste kommt. Das ist der ganze Unterschied — und er ist der Grund, warum Angebote von Dienstleistern so schwer vergleichbar sind: Die einen verkaufen Klassifikation, die anderen verkaufen Katalogerzeugung, und beide nennen es Produktdaten.

ETIM ist eine Klassifikationsnorm für technische Produkte. Jeder Artikel bekommt eine Klasse, und jede Klasse gibt vor, welche Merkmale gefüllt werden müssen. Eine Schleifscheibe hat dann keine Textbeschreibung mehr, in der irgendwo „115 mm" steht, sondern getrennte, maschinenlesbare Felder für Außendurchmesser, Bohrung, Körnung und zulässige Umdrehungszahl. Genau diese Trennung ist es, die einen Filter im Shop, einen Vergleich im Beschaffungssystem des Kunden und eine automatische Prüfung überhaupt erst möglich macht.

eCl@ss — offiziell ECLASS geschrieben — leistet dasselbe, ist aber branchenübergreifend angelegt und vor allem im Einkauf großer Industrieunternehmen verbreitet. Beide Systeme konkurrieren weniger miteinander, als es die Debatte darüber vermuten lässt; sie haben unterschiedliche Herkünfte und unterschiedliche Anhängerschaften.

BMEcat ist keine Klassifikation, sondern ein XML-Austauschformat für Produktkataloge, herausgegeben vom BME, dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik. Es transportiert Artikelnummern, Preise, Beschreibungen, Bilder — und eben auch die Klassifikationsschlüssel aus ETIM oder eCl@ss. Aktuell ist nach Angaben des BME die Version 2005.2.

ETIMeCl@ss (ECLASS)BMEcat
Was es istKlassifikation für technische Produktebranchenübergreifende KlassifikationXML-Format für den Katalogaustausch
HerausgeberETIM International, in Deutschland ETIM Deutschland e. V.ECLASSBME
Aktueller StandETIM 10.0, veröffentlicht am 5. Dezember 2024ECLASS 16.0, veröffentlicht am 28. November 2025Version 2005.2
Umfang5.640 Klassen, 17.377 Merkmalemit 16.0 unter anderem 995 neue Klassen und 1.253 neue Merkmalekein Klassenmodell, sondern Feldstruktur
Für Sie relevant, wennSie Werkzeuge, Eisenwaren oder Betriebsausstattung führenIhre Industriekunden danach fragenSie überhaupt Daten an Dritte liefern

Die Tabelle zeigt auch, warum sich die Frage nach dem richtigen System selten mit einem Namen beantworten lässt. Klassifikation und Transportformat sind keine Alternativen, sondern zwei Schichten desselben Vorgangs. Sie brauchen immer beides: ein System, das den Artikel beschreibt, und ein Format, das die Beschreibung transportiert.

Wie groß der Kreis derer ist, die auf ETIM setzen, gibt ETIM Deutschland selbst an: mehr als 1.000 Hersteller nutzen den Standard, in Deutschland gehören dem Verein über 260 Mitgliedsunternehmen an, und ETIM ist nach eigenen Angaben in mehr als 20 Industrieländern vertreten. Für einen Händler heißt das vor allem eines: Die Frage ist nicht mehr, ob Ihre Lieferanten ETIM-Daten haben, sondern ob Sie sie abholen.

Brauche ich ETIM oder eCl@ss — oder beides?

Das entscheidet nicht Ihr Sortiment, sondern Ihr Kunde. Für Werkzeuge, Eisenwaren und Betriebsausstattung ist bei ETIM der Sektor WEBA einschlägig — die Abkürzung steht für genau diese drei Warenbereiche. Daneben führt ETIM Deutschland die Geschäftsbereiche Elektro, Sanitär – Heizung – Klima und Digitale Schnittstellen. Wer Werkzeuge, Arbeitsschutz und Industriebedarf an Handwerk und Industrie liefert, landet damit in aller Regel bei ETIM. Wer denselben Artikel an einen Industriekonzern liefert, dessen Beschaffungssystem eCl@ss-Schlüssel erwartet, braucht zusätzlich eCl@ss.

Beides parallel zu pflegen ist im technischen Handel deshalb kein Planungsfehler, sondern nach unserer Einschätzung der Normalfall. Der Aufwand verdoppelt sich dabei nicht: Die Merkmalswerte selbst — Durchmesser, Werkstoff, Schutzklasse — werden einmal erfasst. Die Zuordnung zur jeweiligen Klasse ist der zusätzliche Schritt, und den erledigt bei sauber gepflegten Daten überwiegend das System.

Wenn Sie an dieser Stelle merken, dass Ihnen die Grundlagen fehlen, lesen Sie zuerst, was ETIM-Klassifizierung im Alltag eines Händlers bedeutet. Dieser Beitrag setzt voraus, dass der Begriff sitzt, und geht von dort aus weiter.

Eine Einordnung, die wir nicht belegen können und deshalb als das kennzeichnen, was sie ist — unsere Einschätzung: Die Entscheidung zwischen den Systemen wird überschätzt. Wer sie aufschiebt, bis sie endgültig gefallen ist, hat am Ende beides zu spät.

Was passiert bei einem Versionswechsel, und warum ist das gerade jetzt wichtig?

ETIM 11.0 steht unmittelbar bevor: Das finale Release ist nach Angaben von ETIM Deutschland für den 1. Dezember 2026 vorgesehen, die Beta-Phase läuft vom 15. Oktober bis zum 15. November 2026. Wer im Herbst ein Klassifikationsprojekt startet, sollte diesen Termin kennen, bevor er die Zielversion festlegt.

Der Rhythmus dahinter ist bekannt und planbar. ETIM International hat im Oktober 2021 beschlossen, den Release-Turnus von drei auf zwei Jahre zu verkürzen. Seither erschien ETIM 9.0 am 5. Dezember 2022 und ETIM 10.0 am 5. Dezember 2024 — beide Male Anfang Dezember. Ein Datenstand, der heute sauber ist, ist deshalb nicht dauerhaft sauber, sondern bis zum nächsten Release.

Für den WEBA-Sektor wurden nach Angaben von ETIM Deutschland 81 Änderungsanträge zu ETIM 11.0 gestellt. Über alle Sektoren hinweg gingen mehr als 2.300 solcher Anträge ein; die Antragsdatenbank CMT wurde zum 30. Juni 2026 geschlossen, rund 800 Anträge waren zum Zeitpunkt der Meldung noch in Bearbeitung. Ein Änderungsantrag, im ETIM-Sprachgebrauch RFC für Request for Change, ist der Weg, auf dem eine fehlende Klasse oder ein fehlendes Merkmal in den Standard kommt — etwa dann, wenn ein Artikel im Modell schlicht nicht vorgesehen ist.

Diese Anträge sind der Grund, warum ein Release mehr ist als eine höhere Nummer. Mit jeder Version kommen Klassen hinzu, bestehende Klassen bekommen zusätzliche oder geänderte Merkmale, und einzelne Klassen verlieren ihre Gültigkeit. Für Ihren Datenbestand heißt das drei verschiedene Dinge gleichzeitig: Ein Teil der Artikel bleibt unberührt, ein Teil braucht neue Merkmalswerte, die vorher niemand erfasst hat, und ein Teil muss einer anderen Klasse zugeordnet werden. Nur der erste Fall erledigt sich von selbst.

Genau hier liegt der praktische Grund für eine Mitgliedschaft. ETIM ist ein offener Standard und nach Angaben von ETIM Deutschland kostenlos nutzbar; das Modell selbst kostet nichts. Änderungsanträge einreichen dürfen aber nur Mitgliedsunternehmen, und auch die Mapping-Tabellen zwischen zwei Releases, die einen Versionswechsel überhaupt erst automatisierbar machen, gehen an Mitglieder. Wer ohne Mapping wechselt, ordnet von Hand neu zu. Das ist der eigentliche Preisunterschied zwischen Mitgliedschaft und Nichtmitgliedschaft — nicht der Zugang zum Standard, sondern der Aufwand beim Wechsel.

Bei eCl@ss verlief der jüngste Wechsel nach demselben Muster. In ECLASS 16.0, veröffentlicht am 28. November 2025, wurden nach Angaben von ECLASS über 155.000 Änderungswünsche aus Industrie und Handel verarbeitet. Bemerkenswert ist ein Detail, das Händler kennen sollten: Rund 23.300 neue Definitionen für Klassifizierungsklassen wurden maschinell erzeugt und von ECLASS ausdrücklich als „machine generated by GPT-4o mini" gekennzeichnet. Der Standard weist das transparent aus, und das ist die richtige Entscheidung. Wir halten es trotzdem für ratsam, maschinell erzeugte Definitionen bei der Zuordnung des eigenen Sortiments genauso zu prüfen wie eine Herstellerangabe — das ist unsere Einschätzung, keine Empfehlung von ECLASS.

Woher bekomme ich die Daten — vom Hersteller, aus dem Pool oder aus eigener Arbeit?

Es gibt drei Wege, und die meisten Häuser gehen alle davon gleichzeitig.

Der erste Weg ist der direkte: Sie holen die Daten beim Hersteller ab, einzeln, in dessen Format und in dessen Rhythmus. Das funktioniert bei großen Markenherstellern mit eigener Datenabteilung gut und bei allen anderen schlecht. Der Nachteil liegt nicht in der einzelnen Übernahme, sondern in ihrer Wiederholung: Jede Sortimentsänderung erzeugt denselben Vorgang noch einmal, bei jedem Lieferanten getrennt.

Hinzu kommt eine Qualitätsfrage, die man dem gelieferten Material nicht ansieht. Ein Hersteller kann eine formal korrekte BMEcat-Datei ausliefern, in der die Klassifikationsschlüssel gesetzt sind, die Merkmalswerte darunter aber nur teilweise gefüllt. Formal ist der Artikel dann klassifiziert, im Shop bleibt der Filter trotzdem leer. Wer Herstellerdaten übernimmt, sollte deshalb nicht prüfen, ob eine Klasse zugeordnet ist, sondern wie viele der Pflichtmerkmale dieser Klasse tatsächlich Werte tragen — das ist eine Auswertung, die sich einmal einrichten und danach bei jedem Import wiederholen lässt.

Der zweite Weg ist der verbandsseitig organisierte. Der VTH-eData-Pool wird als Lösung des Anbieters entitys betrieben und stellt Händlern Herstellerstammdaten zentral bereit, statt sie bei jedem Lieferanten einzeln abzurufen. Nach Angaben des Betreibers umfasst er über 150.000 Produkteinträge von über 40 Herstellern und wird von über 70 Händlern genutzt; unterstützt werden BMEcat-Export und ECLASS-Klassifizierung.

Diese Zahlen sind Anbieterangaben und nicht unabhängig geprüft. Der VTH selbst nennt auf seiner eigenen Seite zum eData-Pool keine Zahlen und verweist für Details auf den Anbieter. Wir führen sie hier auf, weil es die einzigen öffentlich zugänglichen Größenangaben zu diesem Pool sind — nicht, weil sie den Rang einer Verbandsstatistik hätten.

Dass ein gemeinsamer Pool in dieser Branche überhaupt funktioniert, hat mit ihrer Größe zu tun. Der VTH zählt rund 220 Großhandlungen mit rund 400 Verkaufsstellen und 5,8 Milliarden Euro Umsatz. In einem Markt dieser Größe rechnet es sich für einen Hersteller, seine Daten einmal zentral einzustellen, statt jedes Haus einzeln zu bedienen. In einem zersplitterten Massenmarkt würde dieselbe Konstruktion nicht tragen.

Der dritte Weg bleibt in jedem Fall: Sie klassifizieren selbst. Für Eigenmarken, für Zukaufteile, für alles, was kein Markenhersteller mit Datenabteilung liefert, gibt es keine Quelle außer Ihnen. Dieser Teil des Sortiments ist der eigentliche Kern jedes Datenprojekts — und der Teil, den Aufwandsschätzungen regelmäßig unterschlagen.

Neu ist das Thema übrigens nicht. Schon 2018 sagte VTH-Hauptgeschäftsführer Thomas Vierhaus in einer Verbandsmitteilung: „Die Händler dürfen nicht länger abwarten, sondern sollten ab sofort die bereits vorliegenden Daten der wichtigsten Hersteller aus dem VTH-eData-Pool nutzen." Dass dieser Satz aus dem Jahr 2018 stammt und sich heute unverändert schreiben ließe, ist der eigentliche Befund dieses Kapitels.

Was verlangen meine Kunden und Marktplätze tatsächlich?

Nicht „ETIM" und nicht „eCl@ss", sondern eine bestimmte Version in einem bestimmten Format mit einer bestimmten Pflichtfeldliste. Diese Unterscheidung entscheidet darüber, ob ein Katalog beim ersten Versuch angenommen wird oder ob er dreimal zurückkommt.

Marktplätze dokumentieren ihre Anforderungen öffentlich. Unite, vormals Mercateo, führt dafür eine öffentlich zugängliche Lieferantendokumentation mit eigenen Kataloganforderungen und einer Pflichtfeldliste für BMEcat-Kataloge. Wer dort liefern will, arbeitet gegen dieses Dokument und nicht gegen den Standard im Allgemeinen. Beide sind nicht deckungsgleich, und die von einer Plattform akzeptierte Formatversion ist nicht automatisch die neueste, die der Herausgeber pflegt. Wer einen Katalog im aktuellsten Stand erzeugt und ihn dort einreicht, wo eine ältere Fassung erwartet wird, hat nicht zu wenig, sondern das Falsche geliefert.

Industriekunden fragen dagegen selten nach einem Katalog. Sie fragen nach einem Zugang in ihr eigenes Beschaffungssystem — also nach einer Schnittstelle, über die ihr Einkäufer aus seiner Software heraus in Ihrem Sortiment sucht und mit gefülltem Warenkorb zurückspringt. Die beiden dafür gebräuchlichen Standards heißen OCI auf der Industrieseite und IDS auf der Handwerksseite; wie dieser Weg technisch aussieht und was die beiden voneinander unterscheidet, steht in unserem Beitrag zu Systemen, Kosten und Schnittstellen eines B2B-Onlineshops. Für die Datenseite gilt in allen Fällen dasselbe: Die Klassifikation ist die Voraussetzung, nicht das Ergebnis. Ein solcher Zugang auf unklassifizierte Daten zeigt dem Einkäufer eine Artikelliste, in der er nicht filtern kann — technisch angebunden, praktisch unbrauchbar.

Zwischen beiden Gruppen steht der Handwerkskunde, der weder einen Marktplatz noch ein Konzern-Beschaffungssystem benutzt, sondern seine eigene Handwerkersoftware. Auch die will Artikeldaten sehen, nur in ihrer Logik und über ihre Schnittstelle. Für die Datenpflege ändert das nichts an der Reihenfolge — klassifizierte Merkmale zuerst, Ausleitung danach —, wohl aber an der Zahl der Ausleitungen, die Sie am Ende betreiben. Wer das früh weiß, entscheidet anders über das System, in dem die Daten liegen.

Der Rat daraus ist unspektakulär. Fragen Sie Ihre größten Kunden und die Plattform, auf der Sie liefern wollen, schriftlich nach Klassifikationssystem, Version und Formatversion, bevor Sie ein Projekt beauftragen. Diese Antworten sind Ihr Lastenheft, und sie kosten nichts außer einer E-Mail.

Was kostet mich das, und was davon ist Lizenz und was Arbeit?

Die Lizenzseite ist die einfache. ETIM ist nach Angaben von ETIM Deutschland ein offener Standard, den jeder kostenlos nutzen kann. Geld kostet erst die Mitgliedschaft — und die kaufen Sie für Änderungsanträge, Mapping-Tabellen und den Zugang zur Antragsdatenbank, nicht für das Recht, zu klassifizieren. BMEcat wird vom BME herausgegeben, eCl@ss von ECLASS.

Die Arbeitsseite ist die, nach der Sie eigentlich fragen — und hier müssen wir passen. Wir haben nach belastbaren Zahlen zum Aufwand einer Klassifizierung gesucht: Personentage je tausend Artikel, Kosten je Artikel, Projektdauer im technischen Handel. Was sich finden lässt, sind Schätzungen von Dienstleistern, die dieselbe Leistung verkaufen, und keine davon legt eine nachvollziehbare Kalkulation offen. Eine Zahl an dieser Stelle wäre bequem und wertlos.

Was sich seriös sagen lässt, ist die Struktur des Aufwands. Er hängt weniger an der Artikelzahl als daran, wie viele Artikel Sie überhaupt selbst beschreiben müssen. Für Markenware mit gepflegten Herstellerdaten ist die Klassifikation ein Importvorgang mit anschließender Kontrolle. Für Eigenmarken und Zukaufteile ist sie Handarbeit an jedem einzelnen Merkmal. Wer den Aufwand schätzen will, zählt deshalb nicht das Sortiment, sondern den Teil des Sortiments ohne Datenquelle — und lässt sich von einem Anbieter die Kalkulation genau für diesen Teil aufschlüsseln.

Ein zweiter Kostenblock wird regelmäßig übersehen: die Pflege nach dem Projekt. Bei einem Release-Turnus von zwei Jahren ist der nächste Wechsel absehbar, und ein Angebot, das nur die Erstklassifizierung enthält, beschreibt nur die halbe Aufgabe.

Woran scheitern Produktdatenprojekte im technischen Handel?

Nach unserer Einschätzung selten an der Technik und fast immer an drei Punkten, die vor dem Projekt geklärt sein müssten. Wir kennzeichnen das ausdrücklich als Einschätzung: Eine Untersuchung, die Scheiterungsgründe für Klassifikationsprojekte speziell im technischen Handel erhebt, haben wir nicht gefunden.

Das ERP soll die Arbeit machen. Ein Warenwirtschaftssystem kennt Artikelnummer, Preis und Bestand. Merkmalsleisten mit fest definierten Feldern je Klasse, dazu Mehrsprachigkeit und Bildverwaltung, sind nicht das, wofür es gebaut wurde. Ob Ihr System das trotzdem kann oder ob ein eigenes Produktdatensystem danebengestellt werden muss — ein PIM, also ein Product Information Management —, ist eine Systemfrage. Sie gehört zur Auswahl der Branchenlösung und nicht ins Datenprojekt, wo sie regelmäßig zu spät auftaucht.

Niemand ist zuständig. Produktdaten liegen zwischen Einkauf, Vertrieb und IT, und jeder der drei Bereiche hält sie für die Aufgabe der anderen beiden. Ohne eine benannte Person, die entscheidet, wie ein strittiges Merkmal zu füllen ist, entstehen parallele Datenstände — im Shop steht etwas anderes als im Katalog, und beide sind für sich genommen plausibel.

Der Datenstand wird als Zustand behandelt, nicht als Prozess. Mit dem nächsten Release liegt eine neue ETIM-Version vor, Hersteller ändern Artikel, Kunden verlangen andere Felder. Wer den Import einmal einrichtet und danach nicht mehr anfasst, steht beim nächsten Wechsel wieder am Anfang — mit dem Unterschied, dass diesmal ein gewachsener Bestand mitzuziehen ist.

Diese drei Punkte haben eine Gemeinsamkeit: Keiner davon ist eine technische Frage, und keiner löst sich durch die Auswahl eines besseren Werkzeugs. Sie werden im Vorfeld entschieden oder gar nicht. Das ist die unbequeme Seite an Produktdatenprojekten — der Teil, den ein Dienstleister nicht übernehmen kann, ist genau der Teil, an dem sie scheitern. Wer vor der Ausschreibung Zuständigkeit und Zielversion festlegt, verhandelt anschließend über eine Leistung, die sich beschreiben lässt. Wer es nicht tut, verhandelt über ein Ergebnis, das niemand definiert hat.

Ihr Fahrplan für die nächsten Wochen

Erstens: Klären Sie die Nachfrageseite, bevor Sie irgendetwas beauftragen. Fragen Sie Ihre größten Kunden und die Plattformen, auf denen Sie liefern, schriftlich nach Klassifikationssystem, Version und Formatversion. Ohne diese Antworten kaufen Sie ins Blaue.

Zweitens: Zählen Sie den Teil Ihres Sortiments ohne Herstellerdaten. Nicht das ganze Sortiment — nur die Artikel, für die niemand außer Ihnen die Merkmale liefern kann. Das ist der einzige belastbare Aufwandstreiber, den Sie selbst ermitteln können, und Sie brauchen dafür keinen Berater.

Drittens: Prüfen Sie, was im VTH-eData-Pool für Ihre Hauptlieferanten bereits vorliegt. Was dort schon liegt, müssen Sie nicht selbst aufbauen.

Viertens: Legen Sie die Zielversion mit Blick auf den Dezember fest. ETIM 11.0 ist für den 1. Dezember 2026 vorgesehen, die Beta-Phase hat am 15. Oktober 2026 begonnen und läuft bis 15. November 2026. Ein Projekt, das im Herbst startet, sollte nicht auf einen Stand klassifizieren, der zum Jahreswechsel abgelöst wird.

Fünftens: Benennen Sie eine Person, die bei strittigen Merkmalen entscheidet. Einen Namen, keine Abteilung. Das ist der Schritt, der nichts kostet und am häufigsten ausgelassen wird.

Quellen

  1. ETIM Deutschland – Startseite (aktueller Release, Umfang, Sektoren, Mitgliederzahl)ETIM Deutschland e. V. · abgerufen 07.09.2026
  2. Aktuelles – ETIM 10.0 veröffentlicht, Stand ETIM 11.0, RFC-ZahlenETIM Deutschland e. V. · abgerufen 07.09.2026
  3. Veröffentlichte ETIM-Versionen (Release-Turnus, Termine 9.0 und 10.0)ETIM Deutschland e. V. · abgerufen 07.09.2026
  4. FAQ (offener Standard, kostenlose Nutzung, Mitgliederleistungen, BMEcat)ETIM Deutschland e. V. · abgerufen 07.09.2026
  5. Aktuelles aus dem Sektor WEBA (81 Änderungsanträge)ETIM Deutschland e. V. · abgerufen 07.09.2026
  6. Das aktuellste ECLASS Release (16.0)ECLASS · 28.11.2025
  7. BMEcat (aktuelle Version 2005.2)BME – Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. · abgerufen 07.09.2026
  8. VTH-eData-PoolVTH Verband Technischer Handel e. V. · abgerufen 07.09.2026
  9. eData-Pool (Betreiberangaben: Produkteinträge, Hersteller, Händler, Formate)entitys · abgerufen 07.09.2026
  10. E-Commerce im Technischen Handel dank hochwertiger Stammdaten im Aufwind (Zitat Thomas Vierhaus)VTH Verband Technischer Handel e. V. · 30.04.2018
  11. BMEcat-Anforderungen und Pflichtfelder im Katalog (Lieferantendokumentation)Unite / Mercateo · abgerufen 07.09.2026
  12. VTH im Überblick – Profil (Verbandsgröße)VTH Verband Technischer Handel e. V. · Stand 20.08.2026 (FHP_Fakten)