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OCI-Schnittstelle einrichten: Schritt für Schritt zur Anbindung an das Einkaufssystem Ihres Kunden

Eine OCI-Anbindung besteht aus drei Teilen, die Sie liefern, und einem, den Ihr Kunde liefert: Absprung-URL, Zugangsdaten und ein Warenkorb, der die Felder seines Einkaufssystems zurückgibt — er gibt die Rücksprungadresse. Die Arbeit steckt nicht im Absprung, sondern in Ihren Stammdaten: Artikelbeschreibungen, die in die zugelassene Feldlänge passen, Mengeneinheiten als ISO-Code und die Klassifikationsversion, die Ihr Kunde verlangt — nicht die aktuelle. Bechtle beziffert die Einrichtung in seiner Prozessbeschreibung mit in der Regel wenigen Tagen; das ist eine Anbieterangabe und keine unabhängige Messung.

E-Commerce & Marktplätze9 Min. LesezeitVeröffentlicht am 16. Oktober 2026

Was muss auf meiner Seite stehen, bevor ich einen OCI-Absprung anbieten kann?

Ein Shop, der einen Nutzer über Parameter in der Aufruf-URL anmeldet, statt ihn nach einem Passwort zu fragen — und hinterlegte Kundenkonditionen, die er dabei sieht. Alles andere ist Abstimmung.

OCI, das Open Catalog Interface, wurde von SAP entwickelt, ist aber nicht auf SAP beschränkt. Das Conrad-Wiki zum E-Procurement nennt als Einkaufssysteme, die den Zugriff beherrschen, unter anderem SAP Ariba, Coupa, Oracle, Jaggaer und Zycus. Der Ablauf ist in allen Fällen derselbe: Der Einkäufer startet in seinem System, landet angemeldet in Ihrem Shop, füllt dort einen Warenkorb und schickt ihn per Formular an eine Adresse zurück, die sein System mitgeliefert hat. Was OCI grundsätzlich leistet und warum Ihre Industriekunden danach fragen, steht in unserem Überblick zum B2B-Onlineshop für den technischen Handel. Hier geht es um die Einrichtung; wie Handwerkskunden aus ihrer Software bestellen, beschreibt unser Ratgeber zur IDS-Schnittstelle.

Die Voraussetzung, an der es im Fachhandel am häufigsten hakt, ist nicht die Technik, sondern der Preis. Bechtle beschreibt in seiner Prozessbeschreibung zur E-Procurement-Integration mit Stand 2024, dass der Preis als Stückpreis ohne Mehrwertsteuer übergeben wird und kundenspezifische Konditionen über die mitgelieferten Kundeninformationen gesteuert werden; Preise und Artikelinformationen seien tagesaktuell. Genau das ist der Punkt: Ein Absprung, der Listenpreise zeigt, erzeugt beim Einkäufer eine Bestellung, die Ihr Innendienst anschließend korrigieren muss. Wenn Ihre Rahmenvertrags- und Staffelpreise nicht im Shop ankommen, richten Sie die Schnittstelle besser später ein.

Zum Aufwand gibt es eine Angabe, und sie stammt von einem Anbieter: Bechtle beziffert im selben Dokument die Einrichtung einer OCI-Anbindung mit in der Regel wenigen Tagen und hält fest, dass statische Kataloge mehr Aufwand erfordern, weil ihre Daten regelmäßig aktualisiert und geprüft werden müssen. Das ist die Einschätzung eines Hauses mit eingespielter Anbindung, keine unabhängige Messung. Eine Erhebung zum Einrichtungsaufwand im technischen Fachhandel haben wir nicht gefunden.

Welche Parameter bekommt der Kunde von mir, und welche gibt er mir?

Sie geben die Absprung-URL und die Zugangsdaten, er gibt die Rücksprungadresse. Das ist der ganze Handschlag.

Wie das aussieht, muss man nicht erfinden — ein Händler aus der Branche hat seinen Parametersatz veröffentlicht. Keller & Kalmbach, Großhändler für Verbindungs- und Befestigungstechnik, listet auf seiner Seite zur OCI-Einrichtung sechs Positionen auf: die Absprung-URL, einen Benutzernamen und ein Passwort als Festwerte, die der Händler vergibt, eine USERID als dynamisches Systemfeld aus der Software des Kunden, einen Sprachparameter als Festwert und die HOOK_URL als Rücksprungwert. Dazu benennt das Unternehmen einen eBusiness-Kontakt und stellt einen Testbereich bereit, in dem der Kunde die Parameter ausprobieren kann.

Bechtle führt in seiner Beschreibung zusätzlich Sprache und Codierung als Aufrufparameter und nennt optionale Angaben, unter anderem eine Versionsangabe — im Dokument mit dem Beispielwert 4.0 — und einen Schalter für die verschlüsselte Übertragung. Unite beschreibt für seine Plattform als Minimum den Benutzernamen, der dort meist die Kundennummer ist, ein Passwort, das sich ausdrücklich vom Website-Login unterscheidet, und die HOOK_URL, die bei SAP-Systemen automatisch erzeugt wird und laut Unite als letzter Parameter stehen sollte.

An einer Stelle lohnt die Nachfrage beim Kunden, weil sie Ihre Seite betrifft. Der Leitfaden von simple system für Lieferanten, Stand März 2025, unterscheidet zwei Konfigurationen: Beim festen Login stehen Benutzername und Passwort unveränderlich im Absprung-Link, bei der Nutzererkennung werden Platzhalter für Benutzername und E-Mail-Adresse eingesetzt, um einzelne Nutzer eines Kundenkontos zu unterscheiden — wobei bei Kunden mit ERP-Integration keine E-Mail-Adresse vorliegt. Derselbe Leitfaden weist darauf hin, dass die Daten bei der Zugriffsmethode GET in der URL sichtbar sind, bei POST nicht.

Für Sie heißt das zwei Dinge. Erstens: Ein festes Passwort im Absprung-Link ist bei GET lesbar, also behandeln Sie es wie einen Schlüssel für ein Kundenkonto und nicht wie einen Login. Zweitens: Ohne Nutzerkennung sehen Sie nur das Unternehmen, nicht die Person — wer bei Ihnen bestellt hat, steht dann nur im System des Kunden.

Welche Felder muss der Warenkorb zurückgeben?

Die, die im Lieferantenleitfaden Ihres Kunden stehen. Und die sind meistens enger, als Ihr Shop kann.

Keller & Kalmbach nennt für seinen Warenkorb unter anderem eine Artikelbeschreibung mit höchstens 40 Zeichen, die Mengeneinheit mit drei Zeichen als ISO-Code, Menge, Preis, Preiseinheit und Währung, die Lieferzeit in Werktagen, die eigene Artikelnummer, die Kundenartikelnummer, Herstellername und Herstellerartikelnummer, einen unbegrenzten Langtext sowie Felder für das Klassifikationssystem und die Produktklassifizierung. Unite nennt für seine Plattform standardmäßig 255 Zeichen je Feld und bis zu 1.000 Zeichen für kundenindividuelle Felder. Die Grenzen sind also nicht einheitlich, und Sie erfahren sie nur aus dem Dokument des jeweiligen Gegenübers.

Die 40 Zeichen sind im technischen Handel die unangenehmste Zahl des ganzen Vorhabens. Gewinde, Werkstoff, Festigkeitsklasse, Oberfläche und Norm in eine Zeile zu bringen, die ein Einkäufer im Freigabeworkflow wiedererkennt, ist redaktionelle Arbeit an Ihren Stammdaten — und sie fällt vor der Schnittstelle an, nicht danach.

Zwei weitere Felder entscheiden im Fachhandel über richtig und falsch. Das erste ist die Preiseinheit: Unite beschreibt einen Parameter, der steuert, ob der Gesamtpreis oder der Einzelpreis übertragen wird, und der standardmäßig aktiv ist. Wer nach Verpackungseinheit, je Meter oder je Kilogramm kalkuliert, prüft dieses Feld zuerst. Das zweite ist die Klassifikation. Der Leitfaden von simple system verlangt die Produktgruppe nach eCl@ss, einem Klassifikationsstandard für Produktdaten, in der Version 5.1 — während das aktuelle Release des Standards nach Angaben von ECLASS die Version 16.0 vom 28. November 2025 ist. Dieselbe Regel gilt für Katalogformate: Die aktuelle Version von BMEcat, dem XML-Austauschformat für Produktkataloge, ist 2005.2, verlangt wird von Marktplätzen und Großkunden aber häufig eine ältere. Die geforderte Version steht in der Lieferantendokumentation Ihres Kunden und nicht auf der Website des Standards. Was ETIM, eCl@ss und BMEcat jeweils leisten, haben wir in unserem Beitrag zu Produktdatenstandards für Fachhändler auseinandergehalten.

Dass sich über diese Felder mehr transportieren lässt als nur ein Preis, zeigt ein Fall, den das Fachportal Beschaffung aktuell im Februar 2026 beschrieben hat. Die SAB Steuerungs- und Anlagenbau GmbH aus Nufringen, ein Hersteller individueller Schaltanlagen, hat den Shop des Kabel- und Verbindungstechnikanbieters U. I. Lapp vor rund zehn Jahren per OCI an das eigene ERP angebunden; vorher pflegte das Unternehmen Artikelstammdaten lokal, oft im Datanorm-Format, einem Austauschformat für Artikelstammdaten. Systemadministrator Bruno Bachmann sagt dort über die Zeit davor: "Früher war die Verarbeitung der Datenmengen ein Albtraum." Als jüngste Erweiterung lässt sich nach dieser Darstellung neben dem Basisverkaufspreis auch der Vollmetallpreis übertragen, der aktuelle Metallnotierungen und gegebenenfalls Schnittkosten einbezieht. Wenn Sie Material mit Metallzuschlag verkaufen, ist das die Stelle, an der eine OCI-Anbindung aufhört, eine Bequemlichkeit zu sein.

Was geht beim ersten Test schief?

Fast nie der Absprung. Es sind Zeichen, Einheiten und Mengenlogik.

Bei der Zeichenkodierung verlangt simple system ausdrücklich, dass der Warenkorb in UTF-8 zurückkommt. Unite akzeptiert UTF-8 oder iso-8859-15, widerspricht sich auf seiner technischen Seite allerdings bei der Frage, was ohne Angabe gilt — einmal heißt es iso-8859-15, einmal UTF-8. Wir haben diesen Widerspruch nicht auflösen können; legen Sie die Kodierung deshalb explizit fest, statt sich auf eine Vorgabe zu verlassen. Unite nennt für Darstellungsfehler zusätzlich ein eigenes Feld und bittet darum, Umlaute in Suchbegriffen als ae, oe und ue zu übergeben.

Bei den Mengeneinheiten liegt die Arbeit. Keller & Kalmbach lässt drei Zeichen zu, simple system verlangt ISO-Codes und stellt die erlaubten Werte bereit, und Bechtle hält für sich fest, dass es dort nur die Einheit Stück gibt. Ein technischer Händler mit Meter, Kilogramm, Rolle, Gebinde und Verpackungseinheit hat an dieser Stelle eine Zuordnungstabelle anzulegen, und zwar je Gegenüber.

Aus den Anforderungen und Empfehlungen, die der Leitfaden von simple system für Lieferanten-Shops aufstellt, ergibt sich eine Reihe typischer Fehler, die sich im Fachhandel lesen wie eine Mängelliste des eigenen Shops: konfigurierbare Artikel, die als mehrere Einzelpositionen übergeben werden; fehlende Produktbilder, von denen mindestens eines je Artikel erwartet wird; fehlende technische Informationen wie Sicherheitsdatenblätter; eine fehlende oder falsche Kategorisierung; Links im Shop, die nicht zum Produkt gehören, etwa Impressum oder Werbung; ein zu umfangreicher Shop, der auf das Nötige reduziert werden soll; ein fehlender Rücksprungbutton; und Benutzernamen, die nicht eindeutig sind. Unite ergänzt einen Punkt, der im Nachhinein teuer wird: Änderungen am Warenkorb dürfen nur über die Plattform laufen, weil Preise und Versandkosten von den Mengen abhängen.

Eine Empfehlung aus dem Conrad-Wiki ist die billigste Absicherung des ganzen Projekts: Benennen Sie auf beiden Seiten eine Ansprechperson. Keller & Kalmbach tut genau das und nennt einen eBusiness-Kontakt auf der Seite, auf der die Parameter stehen.

Was Sie dagegen nicht brauchen, solange niemand danach fragt, sind die Zusatzfunktionen der Schnittstelle: eine Detailanzeige, eine Produktvalidierung, die etwa einen geänderten Preis aktualisiert, und eine Suche über alle hinterlegten Kataloge. Die SAP-Spezifikation zu Release 5.0 führt diese drei Funktionen bereits als Teil von OCI 4.0 und lässt Validierung und Suche eine HTML-Seite im OCI-Format zurückgeben. Bechtle ordnet Preisprüfung und Katalogsuche in seiner Prozessbeschreibung dagegen erst Version 5.0 mit Rückgabe im JSON-Format zu; maßgeblich ist die Spezifikation. simple system schreibt ausdrücklich, dass es diese drei Funktionen nicht unterstützt. Neu in Version 5.0 sind nach der Spezifikation vor allem die Übertragung ganzer Katalogdaten in das Einkaufssystem im JSON-Format, einem maschinenlesbaren Datenformat, Felder für Artikelhierarchien und eine gesicherte Übergabe der Zugangsdaten. Welche Fassung das System Ihres Kunden spricht, fragen Sie am besten direkt.

Soll ich direkt anbinden oder über eine Plattform?

Nach der Zahl der Kunden, die danach fragen — nicht nach dem technischen Reiz.

Bei der Direktanbindung gehören die Parameter Ihnen: Sie vergeben die Zugangsdaten, bestimmen die Feldzuordnung und bekommen die Bestellung in Ihrem eigenen Kanal. Keller & Kalmbach nennt als weiteren Einrichtungsschritt ausdrücklich eine EDI-Verbindung, über die die Bestellungen danach automatisch übermittelt werden, und schaltet die Schnittstelle erst nach dem Test für alle Nutzer frei.

Über eine Plattform geben Sie einen Teil davon ab. Bei simple system ist der OCI-Dienst nach dem Lieferantenleitfaden kostenpflichtig und muss freigeschaltet werden, den OCI-Katalog mit dem kundenindividuellen Absprung-Link legen Sie im Lieferantenkonto selbst an und weisen ihn dort dem Kunden zu, und der Feldsatz steht im Dokument der Plattform. Dafür erreichen Sie Kunden, die ihren Einkauf dort gebündelt haben.

Die Größenordnung hilft bei der Entscheidung: Nach dem B2B-Marktmonitor 2025 des ECC Köln liefen 2024 rund 24 Prozent des B2B-Internethandels von Großhandel und Herstellern über Marktplätze und 76 Prozent über eigene Onlineshops; kommerzielle Studienpartner dieser Erhebung sind FIS und Shopware. Welches Plattformmodell was von Ihnen verlangt, haben wir im Vergleich zu Unite, WUCATO und simple system aufgeschlüsselt. Wie viele technische Fachhändler überhaupt OCI-Anbindungen betreiben, ist nach unserer Recherche nicht erhoben.

Ihr nächster Schritt

Fordern Sie bei den Industriekunden, die am häufigsten noch manuell bei Ihnen bestellen, die OCI-Spezifikation ihres Einkaufssystems an — in den Einkaufsabteilungen heißt das Dokument meist Lieferantenleitfaden oder Lieferantenhandbuch. Darin stehen die Feldliste mit ihren Längen, die geforderte Klassifikationsversion und die Zugriffsmethode. Legen Sie dieses Dokument Ihrem Shop-Anbieter vor und lassen Sie sich schriftlich bestätigen, welche Felder Ihr Shop daraus heute füllen kann und welche nicht. Die Antwort auf diese eine Frage entscheidet, ob vor Ihnen ein Schnittstellenprojekt liegt oder ein Stammdatenprojekt.

Quellen

  1. OCI — Schnittstelle zum Onlineshop einrichten (Checkliste, Absprungparameter und Feldliste mit Feldlängen)Keller & Kalmbach GmbH & Co. KG
  2. OCI Guidelines für Lieferanten: Einbindung von eShops in simple systemsimple system GmbH & Co. KG · März 2025
  3. Prozessbeschreibung E-Procurement IntegrationBechtle AG · Stand 2024
  4. PunchOut — Technische Informationen: OCIUnite (vormals Mercateo)
  5. OCI / PunchOut: Katalogbeschaffung im ERP-System (E-Procurement-Wiki)Conrad Electronic · 21.12.2021
  6. Wenn jede Verbindung passt: digitale Beschaffung bei SAB mit OCI-Schnittstelle von LappBeschaffung aktuell (Konradin Mediengruppe) · 19.02.2026
  7. Open Catalog Interface (OCI) Release 5.0 (Spezifikation)SAP SE · 04.10.2012
  8. SAP-Knowledge-Base-Artikel 3345339: What is OCI and what is the difference between OCI 5.0 and OCI 4.0? (nur mit Anmeldung lesbar)SAP SE
  9. ECLASS Releases: ECLASS 16.0ECLASS e. V. · 28.11.2025
  10. BMEcat (Initiative und Formatversion)BME e. V.
  11. B2B-Marktmonitor 2025: B2B-Internethandel von Herstellern und Großhandel legt um sieben Prozent zuECC Köln / IFH Köln (mit FIS und Shopware) · 02.10.2025
  12. Nutzungsbedingungen der simple system e-procurement Plattform für Lieferanten, Version 3.0 (Lieferant ordnet hochgeladene Kataloge selbst den Kunden zu)simple system GmbH & Co. KG · 03.2023